Winds of Change, Teil III

  1. Viashvaroth
    Viashvaroth
    Blogeintrag zu WOC

    Ich übersetze es gleich mal selber.

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    Mikus Geschichte - Wind des Wandels, Teil III
    Am 9. Februar veröffentlichen wir den dritten und letzten Teil von "Wind des Wandels", unserer epischen Canthasage. Als Teil von <i>Guild Wars Beyond</i> überbrückt die Geschichte die Lücke zwischen <i>Guild Wars</i> und <i>Guild Wars 2</i> und wirft den Spieler mittenrein in die Schlüsselereignisse der östlichen Inselnation von Cantha. <i>Wind des Wandels</i> hat den Aufstieg des Ministeriums der Reinheit dargestellt und die damit verbundenen Verwicklungen für Cantha.

    <i>Wind des Wandels</i> war bislang unsere umfangreichste Erweiterung des Inhalts in <i>Guild Wars</i> und dieses letztes Kapitel sieht neun neue Quests als Ergänzung vor, neue aufregende Belohnungen und eine Anzahl von verborgenen Szenen, die unsere Geschichte für die Spieler bereichern. Sichert Euch unsere eindrucksvollen Canthakostüme im Ingame- und NCSoft-Store und besucht unsere <i>Wind des Wandels</i>-Seite für mehr Hintergrundinformationen. Bevor das dritte Kapitel frei geschaltet wird, dachten wir uns, dass wir Euch eine Zusammenfassung des Stands der Dinge, erzählt durch die Assassine Miku, eine unserer Schlüsselfiguren in der Geschichte, geben...

    Lasst mich Euch ein wenig über Abenteuer erzählen: Selten werden sie so, wie Ihr Euch das vorgestellt habt. Sie beginnen immer gleich: Mit einem Anlass. Es mag ein gewählter Anlass sein oder einer, der einem durch die Umstände aufgedrängt wird. Ein Anlass bietet ein Ziel und die Erlangung dieses Ziels ergibt eine Geschichte. Im Grunde unseres Herzens sind wir alle Geschichtenerzähler unseres eigenen Lebens - und wir lieben nichts mehr, als uns die Pfade vorzustellen, die wir nehmen werden.

    Der Anlass, der mein eigenes Abenteuer begann, war ein ganz simpler: das Verlangen, das Schicksal meines jüngeren Bruders zu lüften. Ich kann mich nicht mehr viel an ihn erinnern, nur einige wenige Momente - unfertige Eindrücke, die in der Zeit hängen. Ich kann mich an die Befallenen erinnern, die immer weiter anschwollen und uns zu überwältigen drohten. Ich kann mich an seine Hand erinnern, die meinem Griff entglitt. Ich weiß noch um die Panik, Verwirrung und Flucht, die verzweifelte Suche, bei der ich nichts fand und dann fliehen musste. Damit enden meine Erinnerungen an ihn.

    Als ich mich anschickte, nach Cantha zurückzukehren, waren meine Gedanken angefüllt mit den Wegen, die ich gehen würde. Ich dachte über die heroische Suche nach, die mich an exotische Plätze entführen würde, wie ich meinen Bruder auf dramatische Art wiederfinden würde und wie wir uns über die Vereinigung freuen würden. Wenn ich damals nur gewusst hätte, wie sich die Dinge entwickeln würden. Wie schon gesagt, selten kommen die Dinge so wie gewünscht.

    Als ich zurückkehrte, fand ich ein von meinen Erinnerungen sehr abweichendes Cantha vor. Während ich, als ich als junges Mädchen die Straßen von Cantha durchschlenderte, überall lächelnde Gesichter sah, fand ich nun etwas anderes vor: Unsicherheit. Diese Leute schienen jeden kommenden Tag mit Angst zu erwarten - was mag ihren Glauben nur so erschüttert haben?

    Mit der Zeit verstand ich es.

    Die Angst, die sich in ihren Herzen eingegraben hatte, war durch den Wandel entstanden. Menschen sind Gewohnheitstiere, sogar diejenigen, die sich entschieden haben, ein routinefreies Leben außerhalb der gewohnten Pfade zu führen, haben ihre eigenen Muster und Gewohnheiten. Unsere Muster sind unsere Bequemlichkeit und auch unsere Sicherheit. Wenn sie etwas zu ändern droht, möglicherweise sogar unsere Identität, fühlt sich unser Platz im Leben auch bedroht. Diese Leute erwarteten eine unsichere Zukunft angesichts der Handlungen des Ministeriums für Reinheit.

    Das Ministerium stellt eine jüngere Entwicklung in Cantha dar und existierte noch nicht, als ich zuletzt da war. Sie begannen mit noblen Absichten und ermutigten die Leute, für sich selber zu kämpfen. Sie verliehen dem Volk Stärke und kämpften so zusammen gegen die Befallenen, so dass sie nach langer Zeit das Land von ihnen befreien konnten. Ein Teil von mir wünscht sich, selber dort gewesen zu sein, obwohl ich genau weiß, dass die Vernichtung der Befallenen nicht die verlorene Zeit zurückbringen würde. Sie würde mir auch nicht meine Familie wiedergeben. Diese Dinge sind verloren, aber hätten doch eine bessere Zukunft bringen können.

    Wäre es damit beendet gewesen, wäre es gut gewesen. Das Ministerium hätte genug getan. Aber manchmal ist genug halt nicht wirklich ausreichend. Das Ministerium ging von den Befallenen auf die Banden über, die natürlich auch eine Bedrohung darstellen, wodurch sich aber die Frage stellte: Was kommt als Nächstes? Während wir die einen Dämonen bannen, erscheinen oft neue. Niemals werden wir wirklich Frieden erfahren.

    Auch ich durfte keinen Frieden kennenlernen. Meine Suche nach meinem Bruder hatte nur unglaubwürdige Gerüchte erbracht - Leute erzählten mir, dass er dem Ministerium für Reinheit angehöre. Dabei musste es sich um einen Fehler handeln, Ashu war immer so ein nettes Kind gewesen. Vielleicht hatte ihn unser Vater immer ein bisschen zu sehr behütet, aber... ich musste das selber herausfinden. Als ich erfuhr, dass das Ministerium für Reinheit anlässlich einer Kundgebung mit seiner Führungsspitze anwesend sein würde, wusste ich, dass ich dabei sein musste. Das war meine Chance.

    Die Kundgebung hatte eine gewisse Wendung genommen und ich war an vielen Leuten auf der Straße vorbeigekommen, die daran teilnehmen wollten. All diese Leute wollten den Worten des Ministeriums für Reinheit lauschen und ihre Mienen erschienen begierig und hoffnungsvoll. Obwohl ich mich innerlich darauf vorbereitet hatte, war ich trotzdem überwältigt, als ich sah, wer vor mir stand: Ashu. Nach all diesen Jahren war er es wirklich, lebendig und gesund! Auf was ich nicht vorbereitet war, war die Person, die neben ihm stand: Der Leiter des Ministeriums für Reinheit war meine Tante Reiko. In diesem Moment wurde ich von meinen Gefühlen überwältigt. Ich musste mit Ashu sprechen, ihm sagen, dass es mir gut ging und ihm mitteilen, wie sehr ich mich freute, dass er lebte. Rückblickend betrachtet hätte ich das ein bisschen besser überdenken sollen.

    Reiko gab vor, mich nicht zu kennen und stellte mich gegenüber Ashu und vor dem ganzen Ministerium und all den Leuten als eine Bedrohung hin. "Cantha steht am Rand des Abgrunds, während das Ministerium für Reinheit an Einfluss und Ehrgeiz gewinnt..." - man könnte darüber diskutieren, dass sie gewisse Gründe dafür gehabt hatte. Aber ich bin eine Assassine und mache keine Fehler - ich bin nicht nur gut, sondern ich lasse es auch gut aussehen. Aber sie kannte mich. Unmissverständlich sah ich in ihren Augen, dass sie mich wiedererkannte, aber da war noch etwas anderes dabei. War es Angst? Bevor ich es mitbekam, hatte sie schon die Wachen gegen mich gerufen. Dank der Intervention eines Zuschauers - nicht alle in Cantha hatten ihren Verstand verloren - konnte ich fliehen.

    Wenn ich "fliehen" sage, meine ich damit nicht die Art von großartigem Entkommen, mit dem man gefesselte Zuhörer ergötzt. Ich meine damit die Art von Flucht, die in einem Abflussrohr endet. Wenn ich dereinst die Memoiren meines erstaunlichen Lebens niederschreibe, werde ich dieses Kapitel bestimmt überspringen. Außer dem Teil, den ich jetzt natürlich gerade schreibe. Wenigstens hatte ich bei der Flucht wertvolle Verbündete gefunden und dafür bin ich dankbar. Mit diesen wollte ich der Verwicklung meiner Familie in das Ministerium für Reinheit auf die Spur kommen.

    Zusammen wollten wir Ashu retten. Ich war davon überzeugt, dass er dem Ministerium nicht freiwillig angehörte. Er wurde von ihnen benutzt, dessen war ich mir sicher. Die Leute hörten von der Geschichte, wie er, der "letzte Überlebende" der Yuudachifamilie auf wundersame Weise den Befallenen unversehrt entkommen war. "Er war durch die Götter selbst gesegnet worden," sagten sie. Er stellte genau das dar, was das Ministerium brauchte und das musste ein Plan sein. Wenn ich Ashu vor ihnen retten könnte, würde er nicht nur frei sein, sondern dies würde auch einen empfindlichen Schlag für die gefährlich wachsenden Ambitionen des Ministeriums darstellen.

    Unser Plan funktionierte wunderbar...bis wir zu Ashu kamen. Unbemerkt konnten wir ihn im Inneren des Tahnakaitempels antreffen - der Platz, der so lange unsere zweite Heimat gewesen war. Dort war es, wo die Sache in die Binsen ging. Als wir ihn vor die Wahl stellten, mit uns zu kommen, wies mich Ashu zurück. Er war davon überzeugt, dass ich ihn dem Tod überlassen hätte - eine "Wahrheit" die Reiko ihm eingeimpft hatte. Er war sich sicher, dass die Leute ihn brauchten, dass er einem höheren Zweck diente. Er war kühl und distanziert. Der Junge, der vor mir stand, trug zwar das Gesicht meines Bruders, aber die Person, die hinter diesen Augen heraus sah, war mir mehr als fremd. Worte können nicht den Schmerz ausdrücken, den ich fühlte, als er sagte, dass ich nicht besser als die Befallenen sei, wenn ich ihm sein Leben erneut weg nehmen wolle. Verstört und schweren Herzens musste ich ihn verlassen. Aber ich war nicht besiegt. Ich ging mit noch größerer Entschlossenheit, um herauszufinden, was Ashu so verändert hatte. Ich würde die Wahrheit herausbekommen und das Falsche berichtigen.

    Und so kam es, dass ich mich selbst hier und jetzt eingefunden habe. Cantha steht am Rand des Abgrunds, während das Ministerium für Reinheit an Einfluss und Ehrgeiz gewinnt. Die Überlebenden meiner Familie lügen aus der Tiefe ihres Herzens. Alles spitzt sich auf ein Ende zu; ich fühle, wie es auf mich zuströmt. Ich bin dazu bereit, die Vergangenheit zu überwinden und eine neue Zukunft zu schmieden. Meine Dolche sind bereit - ich muss nur noch handeln.
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