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  1. Caromi Tengu Fierce Benutzerbild von Leyla Dragoneye
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    83403
    Registriert seit
    11.2008

    Einsamkeit

    #1
    Einsamkeit

    Ich überquere gerade eine Kreuzung. Ein Mann kommt mir schnellen Schrittes entgegen. Er schaut nicht auf. Er guckt auf den Boden, als ob er dort etwas verloren hätte. Ich grüße ihn. Ich höre leises Murmeln, kann es aber nicht verstehen. Den Kopf hebt er nicht. Schaut auf den Boden. Ich drehe mich einmal im Kreis. Viele Leute sind unterwegs, aber es ist still. Ruhe. So viel los, aber doch so ausgestorben. Niemand redet miteinander. Kein Lachen, alles in Trauer versunken. Die Menschen sind in sich gekehrt. Leben sie?
    Die Häuser und Straßen sind grau, alt und heruntergekommen. Fenster fehlen.
    Ich gehe weiter und mir kommen wieder zwei Leute entgegen. Sie sind zusammen unterwegs. Ihre Augen kann ich nicht sehen. Eine schaut auf den Boden, die andere tief die Mütze ins Gesicht gezogen. Ich laufe auf sie zu, grüße sie. Zu meiner Überraschung bekomme ich eine Antwort. Ein Lebenszeichen. „Aus dem Weg!“ sagt die Frau genervt, schubst mich zur Seite und läuft ohne mich anzusehen an mir vorbei. Die andere Frau hat nichts gesagt. Ich blicke ihnen hinterher, aber niemand dreht sich um. Niemand. Sie starren den Boden an.
    Ich beschließe weiter zu gehen. An der Ampel angekommen, kommt mir ein junger Mann entgegen. Ich suche Blickkontakt. Keine Chance. Er starrt in die Ferne. Zum ersten Mal an diesem Tag erkenne ich Augen. Ein Augenpaar. Trüb. Müde. Erschöpft. Nichts aussagend. Ich grüße, er geht weiter. Ich bin nun in der Einkaufsstraße angekommen. „Frisches Obst! Obst und Gemüse zu verkaufen!“ höre ich einen Verkäufer schreien. Ich gehe zum ihm. Seine Augen ebenfalls leeren Blickes. Grau. Ausdruckslos. Bei ihm angekommen, suche ich ein Gespräch. „Guten Tag“ sage ich höflich. „Keine Zeit!“ brummt der Verkäufer und dreht sich weg.
    Was ist das für eine Welt? Wo bin ich? Ich probiere mir diese Fragen zu beantworten, aber ich weiß keine passende Antwort.
    Ich entschließe mich nichts zu kaufen. Zurück. Ich will nach Hause. Auf dem Rückweg eilen mir Männer entgegen. Niemand schaut mich an. Sie sind schwarz gekleidet. Gut gekleidet.
    „Guten Tag“ höre ich auf einmal eine Stimme von weit unten. Ich erschreckte mich. Die Worte kamen überraschend. Zwei Worte durch die sich alles in mir verändert. Mir wurde warm, obwohl es doch so kalt ist. Ich schaue nach unten und sehe einen armen Mann. Ich grüße ihn und setze mich zu ihm.
    _______________
    Ign: Alaskas Arrow
    Geändert von Leyla Dragoneye (21.11.2010 um 13:01 Uhr)

  2. Wind Rider Benutzerbild von Se Greeeen
    Userid
    20346
    Registriert seit
    02.2006
    #2
    Schöne Geschichte, erinnert mich an eine von meinen Kurzgeschichten . Vielleicht gefällt sie dir ja, die heißt "Nur zu Besuch" und ist in meinem Kurzgeschichtenthread zu finden ( http://www.wartower.de/forum/showpos...16&postcount=5 ).

    Deine Wortwahl ist manchmal etwas eigen aber das ist Geschmackssache. Zum Beispiel würde ich statt "Nichts aussagend." "nichtssagend" schreiben.

    lg und weiter so

    SeGreeeen
    _______________

    Ihr wollt eine Welt erschaffen? Dann kommt in die Freie Fantasywelt und lasst eurer Fantasie freien lauf!

  3. Caromi Tengu Fierce Benutzerbild von Leyla Dragoneye
    Userid
    83403
    Registriert seit
    11.2008
    #3
    vielen Dank.
    Ja das stimmt. nichtssagend hört sich in dem Fall aufjedenfall besser an.

    deine geschichten sind sehr schön, gefallen mir!
    _______________
    Ign: Alaskas Arrow

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